Kulturhaltestelle Dialoge
Juli 2026 mit Matthew Whiteside
Deine Arbeit umfasst Konzertmusik, Sounddesign, Elektronik, Film und Installationen. Was verbindet diese unterschiedlichen Bereiche deiner künstlerischen Praxis?
Ich glaube, man kann sich sehr leicht in den verschiedenen Genres und den unterschiedlichen Kontexten verlieren, in denen wir arbeiten. Für mich geht es jedoch letztlich immer nur um Klang, der sich durch die Zeit bewegt.
Jeder dieser Kontexte bringt seine eigenen Voraussetzungen und Anforderungen mit sich. Ein eigenständiges Musikstück zu schreiben ist etwas anderes, als eine Filmmusik zu komponieren, und wiederum etwas anderes, als eine Klanginstallation zu entwickeln. Ein Konzertstück braucht eine innere Logik, die es zusammenhält und die Zuhörerinnen und Zuhörer fesselt. Letztlich entscheide jedoch ich als Komponist, wie dieser Verlauf aussieht, was sich für mich richtig anfühlt und wie sich das Werk entfalten soll.
Beim Film ist es nahezu umgekehrt. Bei einem eigenständigen Musikstück ist man als Komponist alleiniger Autor. Im Film hingegen unterstützt man die Vision eines anderen Menschen. Natürlich gibt es einen kreativen Austausch mit der Regie darüber, wie diese Vision aussieht, doch letztlich dient die Musik dazu, sie zu tragen und zu verstärken.
Eine Installation bewegt sich, besonders in der Zusammenarbeit mit bildenden Künstlerinnen und Künstlern, irgendwo zwischen diesen beiden Polen. Ich versuche, einen klanglichen Raum zu gestalten, in dem jemand vielleicht nur wenige Minuten verweilt oder aber mehrere Stunden verbringt. Das Werk muss beiden Formen der Erfahrung gerecht werden.
Was all diese Bereiche verbindet, ist die Tatsache, dass Musik nichts anderes ist als Klang, der sich durch die Zeit bewegt. Sie ist vergänglich, abstrakt und verschwindet fortwährend, während sie geschieht. Ganz gleich, in welchem Medium ich arbeite, ich beschäftige mich immer mit demselben grundlegenden Material.
Viele deiner Arbeiten laden zu intensiven und kontemplativen Hörerfahrungen ein. Was reizt dich daran, solche Räume zu schaffen?
Ich glaube, das hat viel damit zu tun, wie ich selbst Musik höre. Ich mag Musik, bei der ich das Gefühl habe, in sie hineinzufallen, als würde sie mich umgeben und als gäbe es überall, wohin ich mich wende, etwas Neues oder leicht Verändertes zu entdecken.
Außerdem denke ich, dass Komponistinnen und Komponisten zuerst einmal für sich selbst schreiben müssen. Das Publikum mitzudenken, ist ein wichtiger Teil der Vermarktung, aber für mich kommt das erst nach dem eigentlichen Kompositionsprozess. Während ich arbeite, muss ich darauf vertrauen, was sich musikalisch richtig anfühlt, anstatt ständig darüber nachzudenken, wie andere das Werk aufnehmen könnten.
Die Art von Immersion, die mich interessiert, kann auf ganz unterschiedliche Weise entstehen. Das kann ein Konzert mit einem gewaltigen Soundsystem sein, bei dem das Erleben körperlich und unmittelbar ist. Oder man sitzt ganz ruhig mit Kopfhörern da und hört einer Aufnahme aufmerksam zu. In beiden Fällen möchte ich vollkommen in das Stück eintauchen und genügend Raum und Zeit haben, mich darin aufzuhalten und darüber zu meditieren.
Es hat eine Weile gedauert, bis ich das Selbstvertrauen entwickelt habe, in meiner Musik weniger zu tun. Früher hatte ich oft das Gefühl, ein Abschnitt dauere zu lange und müsse sich verändern. Inzwischen habe ich erkannt, dass eines der Probleme beim Komponieren darin besteht, dass man das eigene Werk ständig unter dem Mikroskop betrachtet und dadurch das Gespür für seine tatsächlichen Dimensionen verliert. Mit der Erfahrung wächst das Verständnis dafür, wie lange eine Idee Zeit braucht, wie langsam sich etwas entfalten darf und wann gerade darin, nicht zu schnell weiterzugehen, die größte Kraft liegt.
Mit "The Night With..." hast du neue Wege erprobt, zeitgenössische klassische Musik zu präsentieren. Was hat dich dazu motiviert, traditionelle Konzertformate zu überdenken?
Ganz einfach, weil ich selbst Konzerte genau so erleben möchte. Ich nehme mich bei fast allem, was ich tue, als eine Art Testpublikum. Wenn mich etwas als Zuhörer oder Konzertbesucher nicht interessieren würde oder ich meine eigene Musik nicht in einem bestimmten Umfeld erleben wollte, dann sollte ich es wahrscheinlich auch nicht machen.
So sehr ich Opern, Ballett und Sinfoniekonzerte liebe, ich habe mich auf den Sitzen dort nie wirklich wohlgefühlt. Ich bin etwa 1,90 Meter groß, deshalb stoßen meine Knie oft gegen die Rückenlehne vor mir. Und ich weiß, dass es viele Menschen gibt, die noch größer sind! Dieses körperliche Unbehagen reißt mich aus dem Hörerlebnis heraus. Bei einem Clubkonzert habe ich dieses Problem nicht. Dort kann ich stehen, mich bewegen oder einfach selbst entscheiden, wie ich mich im Raum aufhalten möchte.
Das hat mich dazu gebracht, für Konzerte eine Atmosphäre zu schaffen, die eher an ein Live-Gig erinnert und die Menschen reagieren sehr positiv darauf. Es gibt Sitzplätze für alle, die sitzen möchten, aber auch genügend Raum für diejenigen, die lieber stehen. Die Konzerte bestehen meist aus drei Abschnitten von jeweils 15 bis 30 Minuten. Das erinnert ein wenig an den Ablauf eines Konzerts außerhalb der klassischen Musik: Man kann zwischendurch an die Bar gehen oder sich zwischen den Sets mit Freunden unterhalten, ohne die Musik zu unterbrechen.
Klassische Musik, vor allem unverstärkte, verlangt nach einer besonderen Form der Aufmerksamkeit. Das möchte ich keineswegs infrage stellen. Ich möchte vielmehr einen Rahmen schaffen, in dem Menschen der Musik genau die Aufmerksamkeit schenken können, die zu ihrem Körper, ihrer Konzentration und ihren Erwartungen daran passt, was ein Konzert sein kann.
Zeitgenössische Musik wird oft als anspruchsvoll oder schwer zugänglich wahrgenommen. Wie gehst du mit dem Spannungsfeld zwischen Experiment und Publikumsnähe um?
Das führt zurück zu meiner ganz grundlegenden, vielleicht sogar etwas egoistischen Philosophie: Musik ist einfach Klang, der sich durch die Zeit bewegt, und ich selbst bin mein erstes Publikum.
Ich glaube, dass vieles von dem, was als schwierig an zeitgenössischer Musik wahrgenommen wird, auf erlernten Vorurteilen beruht. Einige neue musikalische Sprachen des 20. Jahrhunderts wirkten bewusst sperrig oder waren zumindest weit von dem entfernt, was viele Zuhörerinnen und Zuhörer erwartet haben. Aber das bedeutet nicht, dass zeitgenössische Musik grundsätzlich unzugänglich ist. Ich sage den Menschen einfach: Manche Klänge werden euch gefallen, andere vielleicht nicht und das ist völlig in Ordnung. Man muss nicht alles mögen.
Ich programmiere außerdem nur Musik, die ich selbst hören möchte oder von der ich bei einer Auftragskomposition überzeugt bin, dass ich sie hören wollen werde. Dazu stehe ich ganz ohne Vorbehalte. Ich gehe davon aus, dass ich nicht so einzigartig bin, wie ich manchmal vielleicht gerne wäre. Wenn ich von etwas überzeugt bin, gibt es wahrscheinlich auch einige andere Menschen, die es ebenfalls sein werden.
In der Kommunikation für "The Night With…" sagen wir ganz einfach: „Das wird ein großartiges Konzert mit großartiger Musik. Komm vorbei!“ Ich sehe keinen Grund, mich dafür zu entschuldigen, dass alle Werke in den letzten fünfzig Jahren entstanden sind, so wie es manche etablierte Institutionen scheinbar tun. Ich möchte das nicht als etwas darstellen, das erst überwunden werden muss.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen zumindest neugierig werden, wenn man selbst wirklich von etwas überzeugt ist. Sie möchten herausfinden, warum es sich lohnt und bleiben. Genau das erleben wir auch, wenn wir uns das Feedback und die Zahl der wiederkehrenden Besucherinnen und Besucher ansehen. Die Konzerte sind erschwinglich und finden in einer entspannten Atmosphäre statt. Die Menschen trauen sich deshalb eher, ein Risiko einzugehen, stellen fest, dass ihnen die Musik gefällt und kommen wieder.
Zusammenarbeit spielt in deiner Arbeit eine wichtige Rolle, sei es mit Filmemacher:innen, bildenden Künstler:innen oder Musiker:innen. Was bringen diese Kooperationen in deinen kreativen Prozess ein?
Eine gute Zusammenarbeit sollte etwas hervorbringen, das größer ist als die Summe ihrer Teile, etwas, das aus den Gedanken einer einzelnen beteiligten Person allein niemals hätte entstehen können. Genau so habe ich all meine bisherigen Kooperationen erlebt.
Vielleicht zeigt mir eine Musikerin oder ein Musiker eine Spieltechnik auf ihrem oder seinem Instrument, die ich vorher noch nie gesehen habe und die plötzlich eine völlig neue Richtung für ein Werk eröffnet. Eine bildende Künstlerin oder ein bildender Künstler bringt möglicherweise eine andere Sicht auf Raum, Bild, Material oder Atmosphäre mit ein, und durch den gemeinsamen Austausch entsteht etwas, das keiner von uns allein geschaffen hätte. Oder ein Filmemacher braucht eine ganz bestimmte emotionale oder klangliche Welt und genau das führt meine Musik in eine Richtung, die ich ohne diese Zusammenarbeit nie eingeschlagen hätte.
Solche Begegnungen sind wertvoll, weil sie die eigenen Gewohnheiten auf eine gute Weise infrage stellen. Sie bringen einen dazu, anders zuzuhören, anders zu denken und die eigenen Annahmen zu hinterfragen. Aus jeder Zusammenarbeit nehme ich etwas mit, und ich hoffe, dass ich den Menschen, mit denen ich arbeite, ebenfalls etwas zurückgeben kann.
Kunst lebt vom Teilen.
Deine Musik wird oft als meditativ und kontemplativ beschrieben. Welche Rolle spielen Stille, Raum und Aufmerksamkeit in deinen Kompositionen?
Ich glaube, darauf bin ich bei der Frage zur Immersion eigentlich schon eingegangen. Sag mir Bescheid, falls nicht! :)
Wir leben in einer Zeit ständiger Reizüberflutung und Ablenkung. Welche Rolle kann Musik dabei spielen, Menschen wieder mit sich selbst und ihrer Umgebung in Verbindung zu bringen?
Vielleicht liegt genau darin der meditative Impuls meiner Musik. Ich möchte vollkommen in ein Werk eintauchen, ganz gleich, ob ich es selbst geschaffen habe oder ob ich ihm zuhöre. Ich wünsche mir, dass ein Stück einen Raum eröffnet, in dem äußere Gedanken und Ablenkungen für eine Weile in den Hintergrund treten.
Ich glaube, ein Konzert kann genau so ein Ort sein. Es ist eine bewusst gewählte Zeit und ein bewusst gewählter Raum, um etwas zu erleben. Das bedeutet allerdings nicht, dass alle Menschen sich auf dieselbe Weise darauf einlassen müssen. Ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn jemand während eines Konzerts das Handy benutzt, um ein Foto zu machen oder einen Programmtext zu lesen. Menschen erleben Dinge auf unterschiedliche Weise. Diese verschiedenen Arten der Auseinandersetzung bedeuten nicht, dass jemand nicht richtig zuhört. Vielleicht findet diese Person einfach ihren ganz eigenen Zugang zu dem Werk.
Das hängt auch mit der Art zusammen, wie ich Konzerte gestalte. Menschen die Möglichkeit zu geben, zu sitzen, zu stehen, sich zu bewegen oder selbst zu entscheiden, wie sie den Raum erleben möchten, bedeutet anzuerkennen, dass wir Aufführungen nicht alle auf dieselbe Weise wahrnehmen. In den vergangenen Jahren hat sich das Bewusstsein dafür, wie unterschiedlich Menschen leben, wie unterschiedlich ihre Körper sind, ihre Aufmerksamkeit funktioniert und wie verschieden sie die Welt erleben, deutlich erweitert. Das sollte auch Einfluss darauf haben, wie wir über Aufführungsorte nachdenken.
Für mich bleibt es dennoch etwas ganz Besonderes, eine Aufführung zu erleben und völlig in ihr aufzugehen. Das passiert nicht jedes Mal, aber wenn es geschieht, ist es etwas sehr Kraftvolles. Wir alle haben Momente, in denen wir uns fragen, warum wir diesen Weg eingeschlagen haben. Doch es gibt Konzerte, an die ich mich bis heute erinnere, weil sie mich genau daran erinnert haben: „Genau das! Deshalb mache ich das.“ Ich hoffe, dass die Konzerte, die ich veranstalte, und die Musik, die ich schreibe, anderen Menschen genau dieses Gefühl schenken können.
Als Komponist und Produzent gestaltest du nicht nur musikalische Werke, sondern auch die Kontexte, in denen sie erlebt werden. Wie beeinflussen sich diese beiden Rollen gegenseitig?
Ich glaube, beide Rollen beeinflussen sich gegenseitig, sowohl im positiven als auch im negativen Sinn.
Als Komponist hat mich die Arbeit als Produzent viel stärker für den Kontext eines Werkes sensibilisiert: dafür, wo es aufgeführt wird, wie es geprobt werden kann, wie es auf Tour geht, welchen Raum es braucht und welche Erfahrung das Publikum dabei macht. Das kann kreativ sehr bereichernd sein, weil ich das gesamte Umfeld mitdenken kann, in dem ein Werk später existieren wird.
Ein Beispiel dafür ist mein jüngstes Werk Prelude and Gathering. Es beginnt etwa fünf Minuten vor dem offiziellen Konzertbeginn und spielt mit den Stimmgesten und den Eigenheiten von Gamben, um die Wahrnehmung des Publikums dafür zu hinterfragen, wann ein Konzert eigentlich beginnt. Die Musikerinnen und Musiker betreten nacheinander die Bühne, setzen sich und scheinen ihre Instrumente zu stimmen, tatsächlich folgen sie aber bereits den Anweisungen der Komposition. Nach und nach erkennt das Publikum, dass die Aufführung längst begonnen hat. Es war wunderbar zu beobachten, wie dieser Moment der Erkenntnis einsetzte. Gleichzeitig bin ich ziemlich sicher, dass mir diese Idee nie gekommen wäre, wenn ich nicht selbst so viele Konzerte produziert hätte.
Andererseits kenne ich dadurch auch die praktischen Konsequenzen meiner kompositorischen Entscheidungen. Wenn ich mich zum Beispiel entscheide, viel Schlagwerk einzusetzen, weiß ich genau, welchen logistischen Aufwand das bedeutet. Dieses Wissen kann hilfreich sein, weil es mich dazu bringt, genau zu überlegen, ob etwas wirklich notwendig ist. Es kann aber auch problematisch werden, denn man möchte nicht, dass praktische Überlegungen die eigene Vorstellungskraft zu früh einschränken.
Zwischen diesen beiden Rollen besteht also eine gewisse Spannung. Der Produzent in mir kennt Budgets, Veranstaltungsorte, Logistik, Probenzeiten und die Perspektive des Publikums. Der Komponist in mir möchte dem Klang folgen, ganz gleich, wohin er führt. Das Gute daran ist, dass beide Seiten sich gegenseitig im Gleichgewicht halten. Der Komponist bewahrt den Produzenten davor, zu pragmatisch zu werden, und der Produzent bewahrt den Komponisten davor, so zu tun, als existiere ein Werk losgelöst von den Konsequenzen der realen Welt.
Ich habe bis heute nicht entschieden, ob es gut oder schlecht ist, die Auswirkungen meiner kompositorischen Entscheidungen auf die Menschen, die ein Werk später realisieren, so genau zu kennen. Wahrscheinlich ist es von beidem etwas.
Welche Entwicklungen in der zeitgenössischen Musiklandschaft begeistern dich im Moment besonders?
Mich begeistert, dass die Grenzen zwischen den Genres zunehmend verschwimmen. Immer mehr Künstlerinnen und Künstler verstehen sich nicht mehr ausschließlich als Komponistinnen oder Komponisten zeitgenössischer Musik, sondern experimentieren mit unterschiedlichen musikalischen Welten oder holen Einflüsse anderer Genres in ihre Konzertwerke. Anna Meredith ist dafür ein großartiges Beispiel. Auch viele Veröffentlichungen des Labels New Amsterdam Records bewegen sich ganz selbstverständlich zwischen verschiedenen Genres. Gleichzeitig greifen Popkünstlerinnen wie Rosalía oder Charli xcx in ihren Arbeiten auf die Sprache der klassischen und zeitgenössischen Musik zurück.
Ich glaube, wir erleben gerade eine unglaublich spannende Zeit für Musik, weil wir heute so einfachen Zugang zu nahezu jeder Musik haben, die jemals entstanden ist. Das verändert nicht nur die Art, wie wir hören, sondern auch, wie wir Musik schaffen. Komponistinnen und Komponisten werden längst nicht mehr nur von der Tradition geprägt, in der sie ausgebildet wurden, sondern ebenso von Schallplatten, Clubs, Filmen, Computerspielen, Theater, dem Internet und allem anderen, was ihnen begegnet.
Damit verbunden beobachte ich auch eine Rückkehr zu einer echten DIY-Haltung. Viele jüngere Komponistinnen, Komponisten und Musikerinnen und Musiker warten nicht mehr darauf, von etablierten Institutionen eingeladen oder legitimiert zu werden. Sie schaffen sich ihre eigenen Räume und Möglichkeiten. Projekte wie Prxludes in London oder Das Haus in Belgien sind für mich gute Beispiele dafür. Dort entstehen spannende Programme, die diese genreübergreifenden Entwicklungen ernst nehmen und gleichzeitig eigene Plattformen dafür schaffen.
Genau in einer solchen Welt möchte ich weiterarbeiten, in einer Welt, in der man mühelos zwischen Konzertmusik, Aufnahmen, elektronischer Musik und Fragen der Inszenierung wechseln kann und zugleich die Strukturen schafft, die diese Arbeit überhaupt ermöglichen, ohne all das als voneinander getrennte Identitäten verstehen zu müssen.
Worauf dürfen sich die Besucherinnen und Besucher bei deinem Festival in diesem Jahr freuen?
Das Programm ist fast fertig, deshalb kann ich noch nicht alles verraten. Ein paar Dinge kann ich aber schon erzählen.
Zu Gast sein wird das Riot Ensemble mit Dreams of the Blind von Yannis Kyriakides, einem wunderschönen audiovisuellen Werk, das von den Traumbeschreibungen blinder Menschen inspiriert ist. Die visuellen Elemente sind so gestaltet, dass sie eine zusätzliche, stille Ebene von Rhythmus entstehen lassen, die sich über das Spiel des Ensembles legt. Für dasselbe Konzert schreibe ich außerdem ein neues Werk.
Aus Belgien kommt das Duo Goggles und spielt Lets Be Real von Jonathan Bonny, ein Stück über die Suche nach Balance in einer Welt, die von sozialen Medien und Künstlicher Intelligenz geprägt ist.
Außerdem wird Airborne Extended aus Wien ein neues Werk von Becca Simms uraufführen. Und Joanna Nicholsons Kammeroper über die schottische Persönlichkeit Aud die Tiefsinnige aus dem 9. Jahrhundert wird ebenfalls Teil des Festivals sein.
Mehr wird schon bald bekannt gegeben!
Und zum Schluss noch eine persönlichere Frage: Was inspiriert dich im Moment, musikalisch, künstlerisch oder einfach im Alltag?
Im Moment habe ich nach ziemlich verrückten achtzehn Monaten endlich eine etwas ruhigere Phase, und das genieße ich sehr.
Ich nehme mir wieder mehr Zeit zum Lesen und arbeite mich gerade durch Isaac Asimovs Foundation-Reihe. Science-Fiction hat mich schon immer fasziniert. Ich mag ihre großen Dimensionen – die langen Zeiträume, die technologischen Visionen und die Geschichten von Menschen, die versuchen, ihren Platz in etwas viel Größerem zu finden.
Außerdem habe ich ein paar Töpferkurse besucht, was sich als wunderbarer kreativer Ausgleich erwiesen hat. Es ist unglaublich befriedigend, an der Drehscheibe mit Ton zu arbeiten und zu sehen, wie langsam eine Form entsteht und dann oft genauso langsam wieder in sich zusammenfällt!
Vor allem genieße ich es aber, wieder Musik schreiben und an meinen Mischungen arbeiten zu können, ohne ständig das Gefühl zu haben, nur ein paar Stunden Zeit dafür zu haben. Es gibt zwar nach wie vor Deadlines, aber sie kommen nicht mehr ganz so rasant auf mich zu wie in den vergangenen anderthalb Jahren.
Und natürlich versuche ich weiterhin, so oft wie möglich tauchen zu gehen. Während ich das erzähle, fällt mir auf, dass es zwischen all meinen Interessen und dem, was ich gerne tue, eine Art meditative Verbindung gibt. Nur eines schaffe ich bis heute nicht: mir tatsächlich eine regelmäßige Meditationspraxis anzugewöhnen.
